
Neuseeland, ein östlich von Australien, südlich von Fidschi, nördlich der Antarktis und im südlichen Pazifik gelegener Inselstaat bestehend aus einer Nord- und Südinsel sowie weiteren kleinen Inseln, welcher nicht eindeutig einem Kontinent zugeordnet werden kann. Des Weiteren ist Neuseeland ein Königreich im Commonwealth of Nations, größter Milch-, drittgrößter Wolle- und fünftgrößter Fleischexporteur der Welt und vor allem bekannt durch seinen Nationalvogel dem "Kiwi" und dem Film "Herr der Ringe" sowie "Hobbit", welche hier gefilmt wurden. Jetzt stellt man sich sicherlich die Frage, warum er "hier" schreibt. Ganz einfach - bis dato sind es genau 6 Wochen in denen ich nun schon in Neuseeland lebe. Ich bin Au Pair, lebe in einer Gastfamilie in Christchurch, Canterbury und das für mindestens ein halbes Jahr.
Zwei Hauptgründe für meine Ausreise:
- The jump in at the deep end! (Der Sprung ins kalte Wasser) Nun, ihr müsst wissen, dass ich in den vergangenen Jahren während meiner Schulzeit nicht wirklich die besten Lehrer hatte, die mich unterrichtet haben. Über Jahre hinweg störte mich der zu geringe Lerneffekt und nur die minimale Verbesserung meiner englischen Sprachfähigkeiten. Durch Freunde kam ich erstmals auf die Idee nach meiner Schulzeit auf ein so genanntes "Work&Travel". Hierbei steht das Reisen natürlich eigentlich an erster Stelle, aber ohne Moos nichts los. Deswegen geht man während seines Trips arbeiten - logisch. Was man dazu grob braucht ist ein Flugticket, ein Visum, eine Auslandskrankenversicherung und einen guten Rucksack (Backbag). Wer sich weniger Arbeit machen will mit dem Organisieren und für den das Geld keine große Rolle spielt kann sich hier an Organisationen bzw. Agenturen wenden, die einem dabei helfen. Der Spaß kostet dann natürlich mehr - das Teuerste an der Reise bleibt aber dennoch der Flug. So viel dazu. Auf jeden Fall begann ich mich darüber zu informieren (Freunde, Internet, ...) über Reiseziele, Ablauf und so weiter. Da ich mich aber kenn' und ich nicht wirklich ein Einzelgänger bin, fragte ich einen Freund ob er nicht Lust dazu hätte mit mir diese Reise gemeinsam zu unternehmen. Er war ebenfalls begeistert von der Idee und willigte ein. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass ich der einzige war, der sich wirklich darüber wichtige Gedanken machte und ich verlor schnell die Lust daran. Alleine wollte ich es nicht machen (es sollte by the way nach Australien gehen) und mit ihm wäre es eher ein Sprung auf gefrorenes Wasser gewesen. Glücklicherweise traf ich mich Anfang des Jahres mit einem anderen Freund. Wir unterhielten uns über unsere Zukunftspläne. Ich sprach von meiner Idee mit dem Work&Travel, erwähnte aber auch, dass die Sache so ziemlich auf der Kippe steht. Daraufhin meinte er zu mir, dass er einen Freund wiederum kennt, der in Neuseeland steckt und dort als Au Pair tätig sei. "Au Pair als Junge, noch nicht gehört, aber ein ebenfalls sehr interessanter Gedanke!", dachte ich mir nur. Also kam ich in Kontakt mit Marvin, dem ich an dieser Stelle für alles danken möchte, was er für mich getan hat! Es dauerte nicht lange, ein paar E-Mails mit ihm und seiner Gastfamilie hier, ein paar Skype-Sessions da und es stand fest: Ich werde sein Nachfolger sein. Wow, war das ein krasses Gefühl, sage ich euch. Nun, was macht man eigentlich aus Au Pair? Wiki hat es ziemlich treffend formuliert: "Au-pair nennt man junge Erwachsene oder in manchen Staaten auch Jugendliche, die gegen Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld bei einer Gastfamilie im In- oder Ausland tätig sind, um im Gegenzug Sprache und Kultur des Gastlandes bzw. der Gastregion kennenzulernen." Hauptaugenmerk liegt bei mir natürlich auf der Sprache. Wenn man tagein tagaus in einer Familie lebt, die nur englisch spricht, ist man demzufolge gezwungen in Englisch zu kommunizieren. In der Schule hatte man stets die Optionen seinen Banknachbarn oder den Lehrer auf Deutsch um Hilfe zu bitten, hier nicht. Daher der Sprung ins kalte Wasser - für mich das beste Training.
- Raus aus Deutschland! Ich wollte nicht nur mal eben eine Woche weg - Urlaub machen oder so - ich brauchte Abstand von allem, von Deutschland. Mir ging's sehr gut zu Hause, gar keine Frage. Ich habe dort auch supertolle Freunde und eine wunder-wunderbare Familie aber ich wollte mehr sehen von der Welt, ich hatte das dringende Bedürfnis nach mehr Input, ich wollte raus - weit weg, für mich alleine sein. Okay, das ist jetzt ein Widerspruch zu der Sache mit dem Work&Travel, was ich nicht alleine machen wollte, aber der Unterschied ist, dass ich als Au Pair immer einen festen Bezugspunkt habe - meine Gastfamilie. Ich kann dennoch für mich allein sein in einem anderen Sinne. Neue Erfahrungen sammeln, neue Menschen und Kulturen kennenlernen, mein Leben mit Neuem bereichern - darauf kam und kommt es mir an, denn das ist wichtig für mich; Dinge aus mehreren Blickwinkeln sehen. Also nahm ich mir die Zeit und ging nach Neuseeland.
Die Wochen vor Neuseeland unternahm ich noch mal allerhand mit Freunden und Familie. Dazu gehörten unter anderem die Konzerte von Bonobo in Berlin mit meinem Vater und Philipp Poisel in Leipzig mit meiner Schwester, der Besuch meiner Großeltern im Schwarzwald in meiner alten Heimat, das Southside Festival mit meinem Onkel, seiner Freundin und weiteren Freunden von ihm, eine (eher ungewollte aber dennoch schöne) Woche Abschlussseminar meines Bundesfreiwilligendienstes in Sondershausen und eine Woche Urlaub mit meinem besten Freund in Rimini, Italien. Mein Terminplan war randvoll und ich hatte nur wenig Zeit zwischen all meinen Vorhaben, vor allem wenig Zeit über meine Reise nachzudenken. Man war ich froh, dass alles gut ging. Der organisatorische Zeitaufwand hatte sich also echt gelohnt!
Wir schreiben den 14. Juli 2013. Am Vorabend noch gepackt, heute ist es soweit - ich fliege nach Neuseeland! Ach du Scheiße. Am Flughafen angekommen, hatte wir noch etwas Zeit bis zum boarding. Meine Mutter, Schwester und Stiefvater begleiteten mich. Ich zischte mit ihm noch ein großes Weizen - typisch für München, Bayern. Da ich nicht viel im Magen hatte und sowieso aufgeregt war wie Hund, klingelte das Bier ganz schön ein. Bei ihm auch - was ein Spaß! Wir waren alle gut drauf, wirklich realisieren konnte ich es bis zu dem Zeitpunkt immer noch nicht, dass ich wirklich diesen Schritt in meinem Leben gehe. Meiner Familie erging's da nicht anders. Dann war es so weit: boarding-time. Mein Koffer war schon längst eingecheckt mit 2kg Übergewicht und ohne Aufpreis. Nun hieß es Abschied nehmen. Ich glaube, dass sich jeder in die Lage hineinversetzen kann. Es war ein sehr emotionaler Moment aber ich erinnere mich sehr gerne daran zurück, als ich das letzte Mal meine Eltern und Schwester sah. Ich passierte die Kontrollen, winkte meiner Familie noch ein letzten Mal zu und ging ins Flugzeug. Ich flog mit dem Airbus A380 und der Reisegesellschaft Emirates. Ein Waaaaahnsinnsteil! Und den Service kann man nur empfehlen. Es war mein zweiter Flug in meinem Leben. Ich war mit, glaube, 6 Jahren mal in Tunesien, Afrika mit meinen Großeltern gewesen aber das war's dann auch schon. Viele hielten mich für verrückt, dass ich mich dann gleich an so einen großen Flug wage aber es war ein Traum. Von München ging es erst nach Dubai, dann nach Bangkok, von dort aus nach Sydney und anschließend flog ich nach Christchurch, Neuseeland wo ich von meiner Gastmutter am 16. Juli 2013 empfangen wurde. Der Moment des Abhebens ließ mich erstmals realisieren, dass ich jetzt Deutschland für eine längere Zeit verlassen werde, davor hatte ich gar keine wirkliche Zeit, um mir darüber Gedanken zu machen. Ich wusste, ich geh' bald, mehr auch nicht. So wie es dafür Zeit brauchte, brauchte es auch seine Zeit, bis ich realisiert hatte "Ey, ich bin wirklich auf der anderen Seite der Erde." Die erste Woche war Marvin noch da, er zeigte mir einiges in Christchurch. Das half mir, mich schnell hier einzuleben und zurechtzufinden. Am Donnerstag, den 18. Juli 2013, flog meine Gastmutter wieder zurück nach Nelson, jedoch nicht für immer - nur ausbildungsbedingt. Am selben Tag nahm mich Marvin abends mit zum Au Pair Treffen in ein Café, was dort jeden Donnerstag um dieselbe Zeit stattfindet. Dort lernte ich die ersten Leute kennen, die für die nächste Zeit im selben Boot sitzen werden wie ich. Mit den meisten von ihnen wurde ich schnell warm und es haben sich bereits mit manchen schon echt gute Freundschaften entwickelt.
So kam es dazu, dass wir miteinander was unternehmen wollten und das taten wir dann auch.
28. Juli 2013 - Sumner Beach, Lyttelton, Victoria Park & Port Hills
Ein anderes Au Pair und ich beschlossen ans Meer zu fahren und die Port Hills, ein Hügelzug zwischen der Hafenstadt Lyttelton und Christchurch, abzugrasen. Wir fuhren nach Sumner und den anliegenden Sumner Beach. Wir hatten optimales Wetter, die Sonne schien, blauer Himmel mit ganz wenigen Wolken, sehr angenehmen Temperaturen. Es ist zwar Ende Winter aber auf keinen Fall macht es den Eindruck danach - kann man absolut nicht mit Deutschland vergleichen. Dort angekommen liefen wir entlang des Strandes und schossen viele Fotos. Irgendwann gingen wir zurück und fuhren Richtung Lyttelton über die Port Hills. Es war eine sehr aufregende Fahrt durch das Gebirge mit wunderschönen Aussichten und Augenblicken. In der Hafenstadt angekommen, stärkten wir uns erst einmal. Danach ging es weiter entlang der Summit Road Richtung Victoria Park. Von dort hat man einen ziemlich guten Ausblick über die ganze Stadt Christchurch. Im Laufe des Nachmittags wurde es langsam kühler und dunkler und wir traten unseren Heimweg an. Ein sehr gelungener Tag!
10. August 2013 - Akaroa
Zwei Wochen nach meinem ersten Ausflug ging es nach Akaroa, eine kleine Stadt mit französischen Wurzeln. Diesmal waren wir eine kleine Gruppe bestehend aus 5 Mann - drei Mädchen und zwei Jungs. Der überwiegende Teil der Au Pairs ist weiblich, jedoch wird dieser Job auch für Jungs immer attraktiver und somit steigt die Zahl auch jährlich um einen kleinen Prozentanteil, was ich persönlich sehr gut finde, weil so Stück für Stück das Vorurteil abgeschafft wird, dass Frauen besser mit Kinder umgehen können als Männer. Meines Erachtens ist das immer ganz abhängig von den Kids. Meine zwei Jungs, welche zwei ziemliche Energiebündel sind, sind sehr dankbar, dass sich die Eltern auch ein zweites Mal für einen Jungen entschieden haben. Circa um 11 Uhr wurde ich abgeholt von den anderen und wir fuhren los. Nach gut einer Stunde über den Highway 75 in Richtung Akaroa kamen wir dann am Ziel an. Das Wetter war leider nicht das Beste, nur ab und an schienen ein paar Sonnenstrahlen durch das Wolkenmeer. Aber das sollte uns nicht aufhalten! Wir durchstöberten die ganze Stadt mit all ihren kleinen Läden. Der Bär steppt dort zwar nicht aber es ist sehr ruhig und idyllisch. Wir verbrachten einen schöne Zeit dort, hatten sehr viel Spaß miteinander und gingen abends anschließend noch ins Kino zu "Now You Can See Me" um den Tagausflug abzurunden. Ein besonderer Moment für mich war, als wir in einem sehr schön eingerichteten Café saßen, um einen, wer hätte es gedacht, Kaffee zu trinken. Wir saßen zusammen in einer Runde gemütlich in unseren Ledersesseln und genossen den wundervollen Ausblick auf das Wasser und die Berge. Ich spitzte meine Ohren und nahm Musik war, die nur ganz dezent im Hintergrund die Atmosphäre untermalte. Ich erkannte den Interpreten sofort - es war Coldplay, ihr ganzes Album "Viva La Vida Or Death And All His Friends" lief. Alles passte für mich in diesem Moment zusammen und ein Gefühl unfassbarer Freude strömte durch meinen Körper.
17. August 2013 - Timaru
Schon als ich früh am Morgen aufwachte, wusste ich, das kann nichts werden. Es regnete aber tief im Inneren war noch ein Fünkchen Hoffnung vorhanden, dass es besser wird. Wurde es bedauerlicherweise nicht! Zwei Mädels und ich fuhren mit dem so genannten "nakedbus" - im Prinzip ein Busunternehmen, was günstige Fernstreckenreisen anbietet - gute drei Stunden nach Timaru, eine für die Südinsel bedeutende Hafenstadt und die größte in Süd-Canterbury. Dort angekommen trafen wir uns mit drei weiteren Mädels, somit waren wir sechs und ich der männliche Anteil. Es dauerte nicht lange und wir stellten fest, hier gibt es nicht viel zu sehen. Und der Regen machte es auch nicht attraktiver. Wir liefen durch die Stadt, besuchten den ortsansässigen botanischen Garten und gingen an den Strand. Im Prinzip nichts Spannendes aber wir versuchten das Beste daraus zu machen, schließlich waren wir nun einmal dort. Ich ging ja davon aus, dass in meiner Kleinstadt zu Hause in Deutschland und in den Nachbarstädtchen schon zeitig Schicht im Schacht ist aber dort hatten die meisten Läden an einem Samstag geschlossen und die Bordsteine wurden um 15 Uhr hochgeklappt. Das machte es noch schwieriger irgendetwas Vernünftiges anzustellen. Es stand fest: hierher kommen wir nicht nochmal. Am Wetter soll's nicht mal gelegen haben, denn wie sagt man so schön "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung."
Im Frühling und im Sommer werde ich sicherlich noch weitere Trips machen. Der Rest der Südinsel und die Nordinsel warten auf mich! Ich bin gespannt was mich erwartet aber eins sei gesagt: egal wo man hingeht, es ist der Wahnsinn. Was ich definitiv noch erwähnen muss ist die Freundlichkeit der Menschen hier, denn so etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Bereits auf dem Flug ab Bangkok lernte ich ein älteres Ehepaar kennen, das neben mir saß. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie in Christchurch wohnen. Vergangenes Wochenende besuchte ich sie und es war großartig! Wir redeten viel und lernten uns kennen. Sie stellten mich ihren jüngsten Sohn vor, der im gleichen Alter wie ich ist. Hoffentlich sehe ich sie bald wieder, es sind einfach super liebe Menschen und vielleicht kann ich auch mal etwas mit dem Sohn unternehmen - wäre cool.
Ich werde euch auf dem Laufenden halten!
- S. Rehm

