Freitag, 15. November 2013

Auf Entdeckungsreise

Heute ist Freitag, der 15. November 2013, und ich kehre von meinem Fünf-Tages-Trip über den unteren Teil der Südinsel zurück. Zusammen mit Florian, einem Kumpel und einer der wenigen männlichen Au Pairs in der Umgebung, startete ich am Samstag, den 9. November, früh halb 9 in Christchurch. Zuerst ging's Richtung New World um Proviant für unsere Reise zu besorgen. Als dies geschehen war, konnten wir endlich losfahren zu unserem ersten Ziel: Lake Tekapo (B). Es folgte Lake Pukaki (C), Mount Cook National Park (D), Wanaka (E), Arrowtown (F), Queenstown (G), Milford Sound (I), Lake Manapouri & Doubtful Sound (J), Dunedin (K), Moeraki Boulders (L) sowie Oamaru (M).

Das folgende Bild demonstriert unsere Travelroute:


Mit "unterer Teil der Südinsel" ist der Bereich unterhalb von Christchurch, meinem Wohnsitz, zu verstehen. Wenn man es mal stark vereinfacht, sind wir eine große Runde gefahren und diese steckte voller Überraschungen! Wie man schon leicht erkennen kann, hatten wir so gut wie ausschließlich das Wetter auf unserer Seite. Ich behaupte einfach mal, dass dies einer der wichtigsten Faktoren beim Reisen ist.


Samstag

Die Fahrt zu Lake Tekapo war nicht gerade besonders spannend. Entlang vieler Wiesen und kleiner Städte führte uns die Straße Richtung See. Doch nicht weit vom See entfernt mussten wir erst einen großen Hügel Schrägstrich Berg überqueren. Der weite Ausblick war vielversprechend und man konnte Abenteuer in der Luft schnuppern! Irgendwann war es dann soweit - wir waren angekommen.

"Ach du Scheiße, ... das kann doch wohl nicht wahr sein. Siehst du auch einen türkisen See?", fragte ich Florian, der nur vor sich hin staunte. Wir stellten das Auto ab und watschelten zum Wasser. Hunger hatten wir auch, also schoben wir uns erstmal etwas zu Essen hinter die Kiemen und genossen den wunderschönen Ausblick, den wir hatten. Nachdem wir uns gestärkt hatten, verdauten wir mit etwas Yoga für Fortgeschrittene.


Das Besondere an diesem See ist im Grunde genommen die Spiegelung des Umlands, sprich Berge, Wälder usw., und dessen intensiv-hellblaue Farbe. Dies verstärkte sich dann noch je nachdem wie die Sonne stand und in welchen Winkel man auf den See blickte. Meine Gastmutter empfahl uns auf den anliegenden "Mt. John" hochzufahren, weil der "Ausblick überwältigend wäre". Also fuhren wir dorthin. Auf dem Weg passierten die "Kirche zum guten Hirten".


Ein sehr beliebtes Fotomotiv in Neuseeland, vor allem bei schönem Wetter mit dem See im Hintergrund ist es ein Traum. Ich hörte von verschiedenen Quellen, dass ab und an dort sogar welche sich trauen lassen würden und wie unser Schicksal es so wollte, hatten wir auch damit Glück: eine Hochzeit fand statt. Ein schönes Plätzchen nicht wahr?

Auf dem Gipfel des Berges angekommen, trauten wir unseren Augen nicht...


Was soll man da schon sagen... Einfach der blanke Wahnsinn! Wie ein See aus türkiser Malfarbe. Und ich versichere euch, da war kein Photoshop am Werk. Des Weiteren ist die neuseeländische Hauptforschungssternwarte, das "Mount John Universität Observatorium", dort angesiedelt. Wer Sterne anschauen will, ist hier am richtigen Ort!


Weiter ging's Richtung zweitem See im Bunde: Lake Pukaki. Auf dem Weg überquerten wir den Tekapo Canal, der auch mit einem saftigen Türkis nur so vor sich dahin glänzte.


Es dauerte nicht lange, der Weg von Tekapo zu Pukaki betrug nur 40 Minuten, und wir erreichten See Numero 2 am frühen Nachmittag. Auch dieser war wie sein Bruder eine reinste Farbenpracht. Unfassbar was feinstes Schmelzwasser der Gletscher und ein feingeschliffener Felsuntergrund so alles bewirken können, denn genau das sind die zwei Gründe, die den Seen ihre besondere Farbe verleihen.


Nach ungefähr ein bis zwei Stunden fuhren wir weiter. Unser nächstes Ziel war der Mount Cook National Park, wo wir dann auch unsere erste Nacht verbringen wollten. Wir erreichten Mount Cook Village, ein kleine Siedlung 12km südlich vom Gipfel des höchsten Berges Neuseelands, gegen 4.30pm, das Wetter war immer noch gut und wir entschlossen uns noch an einen Track heran zu wagen. Also gingen wir ins Touristenzentrum und erkundigten uns, was es in der Umgebung denn alles so gibt. Wir fragten das Personal, wie das Wetter wird und was sie uns empfehlen könnten. Uns standen ein paar Tracks zur Auswahl, wir wollten aber nicht nur 30 Minuten laufen sondern schon noch den Abend ausschmücken, also konnten wir uns entscheiden zwischen dem Sealy Tarns Track oder den Hooker Valley Track, die beide mit drei bis viert Stunden (hin und zurück) ausgezeichnet waren. Die Wahl fiel auf Sealy Tarns und ich glaube, das war auch die richtige Entscheidung, zu mindestens vom Sehenswertfaktor. Die nette Dame und der nette Herr an der Theke fragten uns noch, ob wir fit und gut in Form seien und wir antworteten natürlich, so wie wir sind mit "Na klaaaar!". Was wir nicht gründlich gelesen hatten, war der entscheidende Satz "climb steeply up to the tarns", was so viel bedeutet wie "klettern sie steil hoch bis zum Bergsee". Wie dem auch sei setzten wir uns zurück ins Auto und fuhren etwas nördlicher zum White Horse Hill Campingplatz. Wir klatschten Wasser, Bier und Pizza in den Rucksack und stiefelten gegen 5pm los. Eigentlich relativ spät für so eine Wanderung aber was soll's - "Wir schaffen das schon!", dachten wir. Also stiefelten wir los...

Circa ZWEITAUSENDUNDZWEIHUNDERT Stufen später kamen wir dann endlich an unserem Ziel total erschöpft an! Ohne Mist, das war kein Spaß mehr irgendwann. Wir wechselten uns beide mit dem (nicht gerade leichten) Rucksack circa aller 10-15 Minuten ab. Dazu kommt noch, dass ich sowieso noch üble Muskelkatze in meinen Beinen hatte vom Vortag. Was lernen wir daraus? Trainiere niemals deine Beine, wenn du vor hast am nächsten Tag wandern zu gehen. Eine Dose Mitleid, bitte *pfft*. Scheiß drauf, es lohnte sich! Auf dem Weg kamen wir an einem Schneehaufen vorbei, an dem ich mich zügeln musste, nicht hinein zu springen. Zu mindestens baute ich einen Schneeball und warf ihn den langen langen Berg hinunter, den wir erklommen hatten. Nicht mehr all zu lang war die Strecke bis zum eigentlichen Ziel: Sealy Tarns, der Bergsee.


Auf diese erfolgreiche, erschöpfende, anstrengende, verzweifelnde aber auch lustige Tour mussten wir erstmal anstoßen. Es gab lecker Bier von Speight's Brauerei, die wir später noch in Dunedin besichtigen wollten. Außerdem hatten wir noch so kleine Mini-Pizzen von New World's Bäckerei - awesome. "Auf uns, den Track, die geile Aussicht und einen geilen Trip! Prost!"


Irgendwann gesellte sich ein putziger Kea zu uns. Er saß nicht weit weg, circa zwei, drei Meter entfernt von mir. Die Viecher sind sehr zutraulich, können aber auch nervig und lästig werden. Man soll sie nicht füttern, so wird es zu mindestens immer ausgeschildert. Wir hatten keine schlimme Erfahrung mit diesem Burschen. Lustigerweise werden sie unter anderem als "Spaßvögel", "kluge Vögel", "Papagei mit Grips" oder "Superhirn im Federkleid" bezeichnet. Ich mag seine Laute besonders. Einfach mal auf YouTube nachschauen, wen es interessiert.



Rechts: In diesem kleinen, gute 20 Jahre alten Zelt verbrachten wir die Nacht auf dem Camping Platz im National Park. Der Boden war steinig; wir brachten die Heringe nur mit aller größter Mühe und auch nur halbwegs rein. Das wiederum ließ uns in der Nacht etwas unruhig schlafen, denn es windete stark. Wir hatten Angst, dass wir jeden Augenblick abheben könnten. Am meisten störte mich die Zeltwand an der ich schlief. Diese wurde vom Wind die ganze Nacht gegen mein Gesicht geblasen. Vergleichbar mit jemanden, der dir permanent mit einer Flagge im Gesicht herumwedelt...

Ich mochte die verschleierten, von der Sonne pink-gelb gefärbten Wolken, die uns eine "Gute Nacht" wünschten bevor wir zu Bett gingen. Wir waren auch nicht weit weg von den großen Bergen und Gletschern. Die Atmosphäre war ganz eigenartig... Es hatte so etwas Mächtiges, vielleicht auch Magisches neben diesen Riesen einzuschlafen. Der Wind von den Gipfeln ab den Bergen hauchte durch das Tal wie Stimmen der Natur. Ich fühlte mich sicher.


Sonntag

Nach dieser stürmigen Nacht - und das soll jetzt an dieser Stelle bitte nicht falsch verstanden werden - hatten wir vor unseren Augen einen Regenbogen. Einfach so? Ne, eigentlich sind es unseren telepathischen Kräfte, die man hier sieht. We were connected with a rainbow! Am Lustigsten an diesem Bild find' ich ja Flo's geschwollene Augen.

Erwähnte ich eigentlich schon, dass wir einen Bart-Deal hatten? Wir ließen unsere Bärte wachsen bis zum Ende unseres Trips. Warum dieser Quatsch? Jedes Jahr im November lassen sich viele Männer überall auf der Welt verteilt einen "Mo" (abgeleitet von dem englischen Wort moustache, dt. Schnurrbart) wachsen. Auf der offiziellen Movember Webseite kann man sich registrieren und es kann für einen gespendet werden. Die Spenden werden zugunsten der Erforschung und Vorbeugung gegen Prostatakrebs und anderen Gesundheitsproblemen von Männern gesammelt. Wir nahmen inoffiziell in abgewandelter Form teil - just for the lulz.


Am zweiten Tag fuhren wir nach dem Frühstück in Richtung Tasman Valley, die wir auch noch auskundschaften wollten. Dort befanden sich die Blue Lakes, sowie der Tasman Lake und Glacier. Wir wussten nicht, was uns erwartet, aber dass es so (!) geil wird, hätten wir auch nicht gedacht...


Der Mount Cook National Park war damit abgehakt und wir konnten weiter Richtung Wanaka und letzten Endes Queenstown düsen. Der Weg an sich war nicht weiter spannend bis auf den Lindis Pass vielleicht. Wir merkten wie das Wetter schlechter wurde und in Wanaka angekommen, pisste es aus Eimern. Toll! Eigentlich stand auf der To-Do-Liste Kayaking, das konnten wir dann wohl vergessen... Also mussten wir improvisieren. Erstmal holten wir uns was zu Lunch, setzten uns ist Auto und überlegten. Wir entschieden uns nicht direkt weiter zu fahren, sondern uns noch zur ortsansässigen Puzzle World zu begeben. Das ganze Konzept basierte auf optische Täuschungen und so'n Kram. War recht interessant und vor allem lustig! Hier mal ein kleiner Clip aus einem der Illusion Rooms.



Nachdem wir dort einige Zeit verbracht hatten, ging es am Nachmittag dann weiter über Arrowtown Richtung Queenstown. Das Wetter war zwar etwas besser aber immer noch schlecht genug, um irgendetwas Schönes machen zu können. Uns hielt nichts mehr auf in Wanaka, wir wollten weiter!

Einen wirklich schönen Ausblick hatte man vom "Crown Range Lockout" nicht weit entfernt von Arrowtown. Und wie man sieht, lunzte auch das ein oder andere kleine Stückchen blauer Himmel aus der dicken, fetten Wolkendecke.


Am späten Nachmittag kamen wir in Queenstown an und checkten im Nomads Hostel ein. Sehr empfehlenswert die gute Stube - nettes Personal, coole Location, sauber und vor allem ziemlich großräumig. Praktisch waren verschiedene Rabatte, die man als Bewohner bekam. Man musste lediglich seine Chipkarte für sein Hostelzimmer vorzeigen (ebenfalls lobenswert die Idee, da so eine Karte schneller mal im Portmonee verstaut ist als ein dummer Schlüssel). Wir hatten genau zwei Übernachtungen gebucht, das heißt, wir hatten den kompletten Montag Zeit für Aktivitäten. Am Sonntagabend gingen wir zu Fergburger, ein sehr bekannter Burgerladen in der Stadt und in Neuseeland ebenso. Checkt mal die Webseite aus, die ist sehr witzig: hier klicken.


Montag

Was stand an in einer der meist besuchten Städte Neuseelands? Gebucht hatten wir "ThunderJet" (Webseite) am Morgen und einen Besuch in der "-5 Grad IceBar" am Abend. Dazwischen ging's mit der Skyline Gondola (Gondel) auf den Bob's Peak, um dort die herrliche Aussicht zu genießen und mit dem Luge, eine Art Sommerrodelbahn, anschließend zu fahren.

Es ist definitiv eine schöne Stadt mit toller Umgebung - die Bilder sprechen für sich. Sie ist ebenso voll von Backpacker und Reisenden generell und - wer hätte es gedacht - voll von Deutschen. Die Fahrt mit dem JetBoat war rasant und wir hatten äußerst viel Spaß dabei - man könnte es eine "Achterbahn auf Wasser" nennen. Der Besuch in der IceBar war ebenfalls eine interessante Erfahrung. Vorstellen kann man sich das ungefähr so: man hat einen circa 12m² großen Raum, der auf -5 bis -8 Grad minus herunter gekühlt wird. Darin findet man eine Couch, Tische, Skulpturen und eine Theke. Das Witzige an der Sache: alles ist aus Eis, sogar die Gläser!


Am Nachmittag entschieden wir uns spontan noch nach Glenorchy zu fahren, ein kleine Siedlung, welche nordöstlich von Queenstown entlang des Wakatipu Lakes liegt. Eigentlichen war der Weg dorthin das Spannende, das Dorf an sich das Gegenteil. Wir wussten, dass Diamond Lake ein Stückchen weiter liegt also guckten wir uns den auch noch an, damit sich der Weg wenigstens auch lohnte. Und auch diese Entscheidung stellte sich als sehr gut heraus.

- Sometimes you will never know the value of a moment, until it becomes a memory.


Dienstag

Am Dienstagmorgen hieß es schon wieder "Adé Queenstown!". Als Nächstes steuerten wir den Fjörd Milford Sound an. Dieser gilt als einer der schönsten Orte der Welt, gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO, wurde bereits schon als achtes Weltwunder bezeichnet und ist demzufolge auch ein ziemlicher Touristenmagnet. Gebucht hatten wir eine normale Bootstour durch den Fjörd. Ehrlich gesagt wusste ich nicht wirklich, was mich erwartet und sowieso ließ ich mich immer von allem überraschen, was wir so sehen wollten. So ging es erst einmal südlich in Richtung Te Anau, weil wir die ganzen Berge umfahren mussten, erst dann konnten wir uns entlang des Lake Te Anau auf dem Milford Highway wieder nordwärts in das Tal des Eglinton River bewegen, vorbei an den Mirror Lakes, Knobs Flat und dem Lake Gunn. Majestätische Berge ragten links und rechts von uns aus dem Boden heraus. Es ging lange steil bergauf bis wir einen Tunnel erreichten, der  uns Mitten durch einen gigantischen Berg führen sollte. Die Tunnel-Ampel leuchtete Rot, ein LED-Schild wies uns auf entgegenkommenden Verkehr hin, wir mussten 5 Minuten warten - der Countdown lief! Wir stiegen aus dem Auto, um uns kurz die Beine zu vertreten. Dann realisierten wir erstmal, was überhaupt um uns herum so vor sich ging... 


Die Schneemassen auf den Bergen schmolzen und das Tauwasser strömte in Form von Wasserfällen hinab. Schwer vorstellbar, dass diese Gegend zu einer der regenreichsten der Erde gehört. Wir hatten Bombenwetter! Nach den besagten fünf Minuten hieß es "Bereit machen für die Durchfahrt!". 3..2..1.. und ab ins Dunkle! Der Tunnel war ziemlich simple gebaut - eine hügelige Straße, keine betonierten Wände, keine Abzüge, keine gute Beleuchtung und ab und an tropfte Bergwasser aus den Ritzen im Gestein. Nicht vergleichbar mit den deutschen Tunnelsystemen quasi. Aber aufregend und cool war es irgendwie trotzdem. Nach einer kurzen Weile erreichten wir den Tunnelausgang beziehungsweise den Eingang ins Paradies. Den ganzen Weg bergauf, den wir gekommen waren, mussten wir jetzt wieder bergab um uns auf Seelevel zu begeben, schließlich hatten wir eine Bootstour gebucht. Wir waren etwas in Eile: es war 1.45pm und aus irgendeinen Grund waren wir fest davon überzeugt, dass unsere Bootstour 2pm beginnt. Dies stellte sich aber als falsch heraus, denn eigentlich begann sie erst 3.15pm. Der ganze Stress und das Gehetze auf dem Hinweg war somit umsonst. Die Zeit dazwischen nutzten wir dann einfach um uns nochmal dick mit Sonnencreme einzureiben und Insektenspray einzusprühen. Gesagt, getan stiefelten wir zur Juicy Cruize Station und Hafen und machten uns mit der Umgebung vertraut.

- dieses schlecht-fokussierte Meisterwerk hat schon wieder Stil.

Pünktlich legte dann das Boot vom Hafen ab und auf ging's Richtung Tasman Sea durch den Fjörd. Die erste Attraktion folgte nach zwei Minuten Fahrt auf Steuerbord. Bowen Falls, ein 161m tiefer Wasserfall. Im Grunde genommen war die ganze Tour eine einzige Attraktion. Vermutlich kommt das Feeling auf den Bildern nicht so herüber, wie es zu dem Zeitpunkt war - wie es meist so ist - aber lasst es mich euch trotzdem einmal versuchen zu erklären... Ihr fahrt einen langen See entlang, links und rechts von euch türmen sich kilometerhohe Berge auf, von dem ein oder anderen fließen Wasserfälle herunter, die durch die starken Regenfälle geschaffen wurden, die Hänge sind bestückt mit Regenwald und an den Ufern kann man mit etwas Glück Pinguine und Robben sehen. Auch Delfine sollen hier leben.


Auf einem großen Felsen chillte eine kleine Robben-Kolonie in der Sonne. Die sahen echt richtig knuddelig aus! Hätte mich gerne mit dazugelegt und das schöne Wetter und die Atmosphäre genossen...





Nachdem wir das große, weite Meer erreicht hatten, ging es wieder zurück in den Fjörd in Richtung Hafen. Diesmal fuhren wir am anderen Ufer entlang, um auch dessen Schönheit zu begutachten. Wir kamen an einem weiteren (permanenten) Wasserfall vorbei: Stirling Falls. An diesem bildete sich durch das Sonnenlicht und das Sprühwasser ein kleiner Regenbogen - einfach wunderschön!

So wie wir pünktlich den Hafen verließen, kam wir auch pünktlich wieder an - auf die Minute genau. Mühselig trennten wir uns von diesem unfassbar-schönen Ort und peilte den "Nach-Hauseweg" an. Unser "Zuhause" befand sich für diese Nacht am Lake Manapouri neben Te Anau, da wir für den nächsten Tag die nächste Tour gebucht hatten. Diesmal jedoch als Tagestour für mehrere Stunden und deutlich mehr bucks (slang: Dollar). Aber dazu komme ich später noch...

Da wir diesmal nicht in Eile waren, hatten wir auch nun endlich die Zeit uns die Flüsse, Seen und die Umgebung in Ruhe anzuschauen. Wir stoppten des Öfteren an verschiedenen Plätzen, die wir uns auf der Hinfahrt gemerkt hatten. Dazu gehörte unter anderem dieser Fluss (s. unten). Wenige Minuten später landeten wir auf einem Parkplatz, wo wir einen 15 minütigen Track zu einem weiteren Fluss und Wasserfall liefen. Auf diesem besagten Partkplatz hüpfte plötzlich dieser kleine Kerl aus dem Gebüsch. Für mich war das eine Mischung aus Huhn und Kiwi... Heraus stellte sich, dass es eine Wekaralle war, eine neuseeländische, flugunfähige Vogelart (s. unten). Er war ziemlich zutraulich, ich hätte ihn streicheln können aber ich war mir nicht sicher ob das Ding zu zwackt. Das Nicht-Huhn tapste unter's Auto, was mir persönlich überhaupt nicht gefiel - am Ende haben wir Löcher in den Reifen und sitzen fest. Das hätte uns noch gefehlt! Aber wir hatten Vertrauen und als wir wieder kamen, war das Teil auch schon wieder weg und unser Auto noch ganz.



Am Homer Tunnel Eingang angekommen tätigten wir einen letzten Blick ins Tal - wir mussten erneut warten, diesmal aber nur zwei Minuten. Schon gewaltig diese Berge und Wasserfälle wenn man sie mal vergleicht mit der Größe des Tunnels. Immerhin war dieser groß genug für normale Reisebusse. Vielleicht hilft euch das, um sich die ganze Sache besser vorzustellen?


Was ich auch immer wieder überragend finde, ist das klare Wasser der Flüsse und dessen Farbintensität. Wir hielten an einem Fluss, der uns entlang des Milford Sound Highways 94 für eine Weile begleitete. Er sah wortwörtlich so hinreißend aus, dass wir ihn antatschen mussten! Jedoch dauerte der Besucht nicht lange, da uns die Sandfliegen wieder mal halb am Auffressen waren. Die sind aber auch echt eine Plage...


Der nächste Stopp war der Mirrow Lake - Name selbsterklärend mit Hilfe des Bildes. Auch bei schwachem Licht spiegelten sich die Wälder und Berge noch darin, jedoch war er schon eher wie in Tümpel und auch nicht soooo das Highlight. Aber da er eh auf dem Weg lag, dachten wir uns "Warum nicht? Haben ja Zeit!"


Es wurde dämmrig, der Abend ging zu Ende und die nächste Nacht stand vor der Tür. Wir kamen in Manapouri an und checkten die Umgebung ab. Wir suchten den Pearl Harbor. Und nein, das ist jetzt kein kleiner Scherz am Rande, der Hafen dort hieß wirklich so und von dort ab sollten wir auch ablegen. Whatever. Er war ausgeschildert, leicht auffindbar und klein. Im Ort gab es zwei, drei kleine Campingplatze, die aber nicht gerade billig waren - 35$ Dollar für Zwei für die Nacht ist schon leicht übertrieben. Also dachten wir uns, wenn man sich irgendwo anders hinstellt, weit ab der Straße, wird uns keiner finden und wir sparen Geld. Wir fanden einen idealen Platz an einem Wendekreis, der außerhalb des Ortes lag. Wir waren umgeben von leeren Wiesen beziehungsweise Grundstücken, die zum Verkauf bereit standen. Wer soll da schon bitte kommen? Wir bauten unser Zelt auf, versteckt hinter einem Zaun, aßen unser Abendbrot, vernichteten paar Bier und machten uns dann auch fertig für's Bett. Ich war gerade mit einem Bein im Zelt,  kam ein Auto den langen Feldweg entlang und hielt direkt neben uns - unser Herz raste. Eine Frau stieg aus, sie trug eine Kopflampe, und steuerte auf uns zu. Wir dachten nur "Oh Shit, das war's jetzt!". Sie war eine von der Regierung Beauftragte, die nach unerlaubten "Free Camping" ihre Fühler ausstreckte. Florian war sprachlos, ich gab mich als dummer Tourist aus - ich sollte vielleicht doch nochmal über meine Schauspielkünste nachdenken. Sie erzählte uns, dass das sehr teuer werden kann, dass freies Campen in Neuseeland bzw. der Gegend da nicht erlaubt sei, bla bla bla. Beinah hätten wir jeder 250$ bezahlt. Ich erzählte jedoch der Dame, dass wir jemanden auf der Straße gefragt hatten und er uns diesen Ort empfahl. Sie kaufte uns es glücklicherweise ab, erklärte uns den Weg zu den naheliegenden Campingplätzen (die wir ja eh schon kannten, sie nur uns zu blöd waren zwecks der Bezahlerei) und fuhr wieder weg. Wir kamen ungeschoren davon, puh! Den Erstbesten nahmen wir dann. Wir kamen gegen 11.30pm dort an - es war spät - bauten fix unser Zelt auf, stellten uns den Wecker auf 5am und gingen schlafen. Nun werdet ihr euch fragen "Warum schon 5am?!" Es hatte nichts damit zu tun, dass unsere Tour so zeitig los ging. Wir wollten vor dem Campingplatz-Personal aufstehen und dann einfach abhauen - das war alles. Und es klappte!
Ich hätte ehrlich gesagt gedacht, dass wir am nächsten Morgen völlig im Arsch sind, auch auf der Tour, aber es ging und kostenlosen Kaffee gab's ja auch noch auf den Schiffen. Easy peacy lemons squeezy!



Mittwoch

Es ist Mittwooooch, Doubtful Souuuund, juhuuuuu! Wir waren voller Spannung und freuten uns auf den Tagestrip. Viertel nach 7 am Morgen checkten wir bei Go Orange ein, 10 nach 8 ging's los. Wir waren skeptisch was das Wetter anging. Es war sehr nebelig, bewölkt und sah nicht nach einem schönen Tag aus. Mit dem Boot ging's über den Lake Manapouri zur Manapouri Powerstation, von dort aus mit dem Bus in die Anlage selbst - die Besichtigung war inklusive - und danach wieder hinaus in Richtung Doubtful Sound Fjörd. Dort angekommen stiegen wir ins nächste Boot, das uns durch den Fjörd chauffierte. Der ganze Weg wieder zurück und fertig war die Tour. Aber jetzt mal langsam zum Mitschneiden...


Der Morgen war, wie gesagt, nicht all zu berauschend. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! Das gute Wetter versteckte sich nämlich nur hinter einer dicken Nebeldecke, denn nach einer kurzen Weile auf dem Wasser schien sich das Wetter plötzlich zu ändern - es wurde schöööön! 


Zu Beginn der Bootsfahrt gesellte sich ein paar Jahre älterer Kerl zu uns an den Tisch. Sein Name war Ryder, studierte Jura (glaube ich zu mindestens), hatte gerade Semesterferien und entschloss sich in seinem Urlaub nach Neuseeland zu fahren. Warum auch nicht? Wir kamen gut ins Gespräch und hingen die ganze Tour zusammen herum.

Am Kraftwerk angekommen, stiegen wir in einen Bus um. Wir hatten ziemliches Glück mit dem Fahrer. Der Typ war sehr cool drauf und über den ein oder anderen Joke am Rande durfte auch gerne mal gelacht werden. Ich war auch an diesem Tag froh, dass ich mein Insektenspray wieder dabei hatte - ein must-have, wenn man in Neuseeland auf Reisen geht. Schon bei der Ankunft wurden wir auf die lästigen Sandflybiester hingewiesen. So nervig, geht gar nicht! Allein auf der Busfahrt war jeder damit beschäftigt - neben dem bestaunen der atemberaubenden Landschaft - die Sandflies an den Fensterscheiben zu erschlagen. Von außen sicherlich lustig anzusehen; da wird man sich auch denken "Wer hat die denn freigelassen?" wenn da ein Bus kommt wo jeder zweite gegen die Scheiben klopft wie ein Gestörter. Wie dem auch sei ging's über eine 2km lange Straße ins Innere des Kraftwerkes. Zum Wasserkraftwerk: es ist das größte in Neuseeland, kann nur mit einem Boot erreicht werden, die sieben Generatoren (by the way von Siemens hergestellt!) befinden sich 200m unter Seelevel in einer Kaverne und wenn alle gleichzeitig auf voller Kapazität laufen, werden pro Sekunde 500 Tonnen Wasser durch die Anlage geleitet. Not bad!


Es war auf jeden Fall recht interessant sich das mal anzuschauen. Joar... Was soll man da auch noch groß darüber schreiben? Lasst uns nicht weiter hieran aufhalten und weiter gehen zu den Ausblicken, der Bootsfahrt und dem eigentlichen "Point Of Interest" - Doubtful Sound. Die Powerstation verlassen, ging es mit dem Bus zuerst bergauf über den Wilmot Pass bevor es wieder bergab Richtung nächsten Hafen gehen konnte. Ihr seht schon, Neuseeland ist voll von Pässen. Von der Spitze hatte man einen wunderschönen Ausblick auf den Deep Cove, Doubtful Sound.


Wir erreichten das Wasser, stiegen um auf's Boot und setzten die (nicht vorhandenen) Segel. Rechts auf dem Bild kann man die Bootsanlegeplätze sehen von denen wir starteten.


Das ist nebenbei erwähnt Ryder aus Kalifornien, USA. "Could you take a picture of me? - Sure!"


Ich glaube fast... die Sounds ähneln sich alle stark, denn dieses Bild ist vielleicht für welche, die beide Sounds nicht mit eigenen Augen gesehen haben, leicht verwechselbar mit Milford Sound.


Wir näherten uns dem Ende des "Arms" und es wurde spannend. Die Tourguides wiesen uns die ganze Zeit schon darauf hin, die Augen offen zu halten nach Delfinen, Walen, Pinguinen und Robben. Mit den ersten beiden Tieren hatten wir leider, leider, leider kein Glück - hätte ich zu gerne gesehen - dafür mit den anderen! Wir passierten Bauza Island und die Shelter Islands und sichteten einen Dickschnabelpinguin, wohoo!


...und neuseeländische Seebären!


Am Tasmanischen See angekommen, ging es wieder zurück Richtung Hafen. Auf dem Rückweg sahen wir noch viele weitere Robben, das war schön. Die Bootsfahrer brachten uns richtig nah an die Felsen, sodass wir alle aus nächster Nähe die perfekten Fotos schießen konnten. Aber am Liebsten hätte ich sie einfach in Ruhe gelassen und aus der Ferne betrachtet. Immer diese Touristen...


Auch ein weiteres Abenteuer schien zu Ende zu gehen. Nachdem wir Pearl Harbour pünktlich 4.30pm erreichten, trennten sich auch Ryder's und unsere Wege wieder. Er fuhr Richtung Queenstown, von wo wir kamen, und wir fuhren nach Dunedin, unser nächstes Ziel.

Die Zwischenweg kann übersprungen werden: ich habe geschlafen, es gab nichts Wichtiges zu sehen, meinte Flo - also keine Schande.

Was kann ich euch über Dunedin erzählen? Also Dunedin ist die zweitgrößte Stadt der Südinsel, sie ist der Sitz der ersten Universität Neuseelands und ihr steckt viiiiel Historik. Um uns mit dieser ein klein wenig vertrauter zu machen, buchten für Donnerstag zwei Touren: die erste ging durch die Schokoladen Fabrik "Cadbury", die zweite durch die "Speight's Brauerei". Des Weiteren ist sie Rekordträgerin im Guinnessbuch für ihre steilste Straße der Welt.

In einem der Vororte Dunedins hielten wir an einem Strand an, unglücklicherweise habe ich vergessen an welchem wir genau waren. Auf jeden Fall war er schön!


Wenn ich die Bilder so sehe, bin ich immer wieder froh darüber, was für einen guten Kauf ich damals gemacht habe mit meiner kleinen Kamera. Sie knipst für ihre Größe wirklich starke Bilder! Back to Germany werde ich dann aber wahrscheinlich mir doch irgendwann ein Spiegelreflex holen - ich habe während meiner Trips eine kleine Leidenschaft für's Fotografieren entwickelt. Ich habe viele Ideen, kann diese nur leider nicht wirklich so realisieren mit meiner Digitalkamera, dennoch ein Lob an die Fotoapparatschmiede Canon.


Donnerstag

Wir waren nun endlich in Dunedin angekommen, verbrachten die (und die nächste) Nacht im Central Backpacker Hostel und waren fit für den anstehenden Tag nach einer frischen Dusche und einem gutem Frühstück. Was stand also auf dem Programm? Geplant waren, wie schon etwas weiter oben erwähnt, die beiden Touren. Ansehen wollten wir uns ebenfalls die "Rekord-Straße" und die Stadt an sich, da die von ihrem Baustil ganz anders ist wie beispielsweise Christchurch oder andere Städte in denen ich schon bisher war. Einen der Strände wollten wir uns ebenfalls ansehen, sein Name war "Tunnel Beach". Er wurde von unserem Hostel empfohlen und Touren gab's von dort aus ebenso hin aber wir fuhren selbst mit unserem Auto, da wir nicht gebucht hatten und es auch nicht vorhatten. So gingen wir also los Richtung Strand und anschließend durchquerten wir die Stadt auf der Suche nach den schönsten Bauwerken.


Die Frage nach der Namensgebung sollte durch das erste Bild dann wohl beantwortet sein. Die Stufen waren klietschig, der Tunnel war voller Sandflies und es hat gemüffelt - zwei Kriterien um so schnell wie möglich ihn wieder zu verlassen, eine Kriterium, was das unmöglich macht ohne dabei auf die Fresse zu fliegen. Pech gehabt! Wie dem auch sei, lohnte sich der Weg definitiv. Der Strand war in einer Art Bucht an einer Steilküste. Als ich endlich auf den Stein hochgekraxelt war, war ich natürlich der King!


Was konnten wir Schönes in der Stadt finden?

Die First Church of Otago, ein wirklich sehr schönes Gebäude, welches 56 Meter hoch ist, 1875 fertiggestellt und im normannisch-gotischen Baustil erbaut wurde. Auch von Innen schön anzusehen!


Die University Of Otago, die älteste Universität Neuseelands, und die Railway Station, der "Architektur-Juwel des Landes" und eines der meist fotografierten Motive auf dem Inselstaat.


Und zu guter Letzt die St Paul's Cathedral, eine von Außen hübsch anzusehende aber von Innen eher weniger besondere Kirche im Vergleich zu der First Church. Nicht außer Acht zu lassen: Robert Burns (Poet) vollgeschurzte Kopf beziehungsweise Robert Burns Kopf, der gerade in diesem Moment wieder einmal vollgeschurzt wird! "Mache doch mal paar Strähnche' rein!" Dieses Bild wurde by the way am s.g. Octagon aufgenommen. Das ist das eigentliche Stadtzentrum und stellt einen achtseitigen Platz dar, der die Hauptstraße der Stadt halbiert. Am Abend war's hier sehr chillig, rund herum gab's viele Bars und Restaurants, am Tag konnte man hier Dunedin's Punker- und Idiotenleben bestaunen...


Es war Mittag, wir fingen an hungrig zu werden aber wollten unbedingt erst die Baldwin Street sehen. Auf dem Rückweg ging's dann ausnahmsweise mal zu Subway - eat fresh. Aber erstmal zurück zur Straße... Was kann ich euch über sie erzählen? Also die Baldwin Street ist, wie schon bereits erwähnt, laut Guinness-Buch der Rekorde die steilste Straße der Welt, sie erstreckt sich über eine Länge von 350 Metern und die maximale Steigung beträgt 35%. Auch ich habe sie erfolgreich erklommen, wie man sehen kann!


Am Nachmittags Viertel vor 2 fanden wir uns in der Cadbury Fabrik ein für die gebuchte 75 minütige Tour.
Inhalt war eine Führung durch die Hallen mit vielen Informationen über die Geschichte des Unternehmens und verschiedene Produktionsabläufe sowie eine Verkostung flüssig-warmer Schokolade. Ganz am Anfang bekam jeder einen kleinen Plastikbeutel, den wir gut aufheben sollten, denn ab und an gab es an bestimmten Stationen ein kleines Leckerli zum mit nach Hause nehmen. Die Zeit dort war okay, mich persönlich hat's nicht wirklich umgehauen, es war ebenfalls durch die Laustärke der Maschinen schlecht verständlich und ich hatte mir auch mehr erwartet, was das "Probieren" angeht. Naja... Wir hatten ja noch eine Tour vor uns!

Diese besagte Tour ging durch die Speight's Brewery. Schon beim Ticketkauf war mir der ältere Herr hinter der Fensterscheibe sehr sympathisch - glücklicherweise hatten wir ihn auch später als Guide! Wir kamen beide als Studenten durch und sparten dadurch ein paar Dollar, ein Guuuuuter. Uns schlossen sich noch ein paar weitere Leute an, darunter zählten unter anderem drei Frauen, die uns auch schon in der Schokoladenfabrik begleiteten, und eine Gruppe voller (ehemaliger) Studenten, die alles frisch ihren Doktortitel bekommen hatten - supernette Leute, sag ich euch! Unser Guide war, wie sich im Laufe der Tour bemerkbar machte, ein absoluter Stratege. Ultra-cooler Typ, der trocken wie Staub einen nach dem anderen Witz herunterrasselte - so etwas liebe ich ja und den Anderen konnte man ihre Freude ebenfalls anmerken. Er erinnerte mich seltsamerweise sehr an meinen Großvater, nicht wegen seinen Witzen und seiner trockenen Art und Weise, sondern eher wegen seinem Auftreten, seiner Stimme und so weiter. Ich genoss es einfach ihn zuzuhören... genau wie meinem Opa. Die Führung bereitete mir großen Spaß, sie war sehr interessant und alles wurde gut erklärt. Am Ende gab es dann ein kleines, großes Highlight. Wir gingen in eine Art Bar in der Fabrik selbst, ein kleiner Raum, der schön hergerichtet war - alles fein aus Holz - und mit einer Theke auf der eine Bierzapfsäule stand mit sechs Zapfhähnen. In diesem Raum wurden wir "eingesperrt" und durften uns "leider" für 30-45 Minuten am Bier bedienen. Richtig geil, Leute! Das Freibier war köstlich, bis auf paar Ausnahmen. Es gab ausgewählte Biersorten, die von Speight's gebraut werden. Darunter zählten: Summit, Gold Medal Ale, Distinction Ale, Cider, Pale Ale und Triple Hop Pilsner. Am besten davon schmeckt mir immer noch das Summit. Prost!


Wir tranken, was das Zeug hielt. Genug hatten wir dennoch nicht und bedienten uns dann an unserem eigenen Kasten. Der Abend wurde immer flüssiger aber irgendwie klingelte es nicht so wie "erhofft". Wahrscheinlich pickten wir uns genau so einen Tag an dem unsere Leber ebenfalls gut drauf war. Kennt ihr das? Ihr könnt bechern und bechern und irgendwie setzt es nicht an und dann gibt es andere Tage wo man nach zwei, drei Bieren schon einen kleinen in der Krone sitzen hat. Wie dem auch sei chillten wir uns in der Stadt irgendwo hin, es war eine Art Steinmauer oder Erhöhung - wir blickten es nicht, war aber sehr entspannend dort - und zischten den Pack so gut wie leer. Tag und Nacht verliefen wieder einmal erfolgreich, zugleich war es leider auch unsere letzte, denn am nächsten Morgen sollte es dann schon wieder nach Hause gehen.


Freitag

Verkarteter Morgen? Nichts da! Frisch und munter (zu mindestens ich) stapften wir in den Tag hinein. Irgendwie freute man sich schon wieder auf anständiges Essen, sein eigenes Bett, das Training und solch' Sachen... Auf unserem Heimweg entlang der Ostküste lagen zwei Sehenswürdigkeiten, die wir uns ansehen wollten. Zum einen war es die kleine Stadt Oamaru mit ihrem beeindruckenden historischen Stadtteil und die Moeraki Boulders.

Als erstes waren die kugelrunden Steine dran...


Wenn man's genau nimmt ist es eine so genannte "Konkretion" - unregelmäßiges, häufig auch rundlich gestaltetes Mineral-Aggregat (Verwachsungen von Kristallen entweder einer oder mehrerer Mineralarten). Die Kugeln bestehen aus Schlamm, feinem Lehm und Ton und werden von dem Mineral Calcit zusammengekittet. Lustig, wie sich so etwas über Millionen Jahre entwickelt...

Man könnte meinen, die Dinger sind Dinosaurier-Eier!

Zur selben Zeit gesellte sich meine liebe, gute Kathie mit zwei anderen Au Pairs zu uns, denn für sie ging es dahin, von wo wir kamen - Dunedin. Nur eine wahre "Prinzessin" hat das Recht sich von zwei glanzvollen Soldaten herumtragen zu lassen, nicht wahr, Große?


Wir verbrachten nicht all zu viel Zeit am Strand, denn mehr zu sehen als die Kugeln gab es nicht. Wir setzten unsere Heimkehr fort und fuhren Richtung Oamaru. Ich weiß noch ganz genau... Ortseingang dachten wir uns beide nur "Wie jetzt? Das soll eine sehenswerte Stadt sein?", doch was wir nicht wussten war, dass sich das Sehenswerte nur um einen bestimmten Bezirk der Stadt dreht - die historische Altstadt. Die meisten Gebäude wurden hier aus regionalem, hellem Kalkstein angefertigt. Der Stadtteil, wegen seiner beeindruckenden Baukunst, sowie das Hafenviertel, wegen seiner dort lebenden Zwerg- und Gelbaugenpinguinenkolonie, stehen beide unter Denkmalschutz.


Oben: Die Tyne Street, eine wichtige Straße auf der einige denkmalgeschützte Gebäude stehen wie zum Beispiel das Criterion Hotel, das ehem. Zollhaus, die ehem. Bankfiliale, sowie diverse ehem. Lagerhäuser für Getreide, Wolle usw.



Links: Die St Luke's Anglican Church, die ebenfalls in der Liste der Baudenkmäler von Oamaru aufgeführt ist.



Unten: Das Oamaru Post Office im viktorianischen Stadtkern.


Sehr geil fand ich das Steampunk HQ mit der coolen Lokomotive, ich bin ja sowieso ein Fan von Retro! Wer genau wissen will, was es auf sich hat mit dem Begriff, der darf gerne auf den Link klicken und sich näher informieren. Grundlegend ist es eine Stilrichtung aus den 80er Jahren. Durch das Verknüpfen von modernen, futuristischen technischen Mitteln mit Materialien des viktorianischen Zeitalters entsteht ein besonderer Retro-Look der Technik. Ich glaube, wir haben es alle schon mal irgendwo gesehen oder nicht?


Nach unserer kurzen Stadttour verabschiedeten wir uns von Oamaru und dem unteren Teil der Südinsel und segelten weiter. Unser Abenteuer näherte sich mit jedem Kilometer näher zu Christchurch ein Stückchen mehr dem Ende. Wohlmöglich werde ich dort nie wieder hinkommen oder erst in vielen Jahren, wenn ich mal paar Scheine übrig habe. Wert, wieder zu kommen, wäre es auf jeden Fall. Neuseeland ist einfach ein atemberaubendes Land und steckt voller Überraschungen und Sehenswürdigkeiten. Jeder, der hier war, kann es einfach nur weiterempfehlen.

Fazit des Trips: Jeden einzelnen Fleck, den wir erkundeten, hat Neuseeland für mich noch liebenswerter gemacht. Wir haben wahnsinnig viele schöne Sachen gesehen und erlebten eine Woche voller Staunen, atemberaubender Momente und Emotionen. Es hat mir viel Spaß bereitet und ich sehne mich schon danach noch viel mehr von dem Land zu sehen. Für mich ist die Halbzeit bald (am 16. Dezember) erreicht. So schnell wie die Woche herumging, so schnell vergeht die ganze Zeit für mich im Land der langen weißen Wolken. Unvorstellbar, dass ich in absehbarer Zeit schon ein halbes Jahr hier bin. Mittlerweile habe ich persönlich einen Punkt erreicht, wo ich mich auch schon wieder auf Deutschland ein kleines bisschen freue. Warum? Ganz einfach - Dinge lernt man zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat.



- S. Rehm