Dieses Jahr wurde Weihnachten einmal ganz anders als gewöhnlich verbracht. Nach wie vor sitze ich in Neuseeland und wir haben Sommer. Das heißt, es gab keine weiße Weihnacht sondern eine warme, sonnige. Um euch meine Eindrücke und Erlebnisse näher zu bringen werde ich den letzten Satz meines letzten Beitrags nochmal aufgreifen...
"Dinge lernt man zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat."
Vielleicht ist es übertrieben zu sagen, dass ich sie "nicht mehr habe" aber ihr werdet verstehen, was ich euch sagen will. Ich möchte es euch anhand eines Vergleichs verdeutlichen. Zuerst einmal fange ich damit an, was ich bisher gewohnt war...
Weihnachten in Deutschland...
...ist im Winter und dadurch meist kalt. Die meisten hoffen auf genügend Schnee um eine "weiße Weihnacht" zu feiern. Geschenke gibt's meist an Heilig Abend, am 24ten Dezember, nachdem der Weihnachtsmann vorbeigestiefelt kam. Zuvor wird meist noch köstlich gespeist - typisch deutsch ist zum Beispiel Forelle, Würstchen mit Kartoffelsalat, Hase, Ente oder Gans.
Weihnachten in Neuseeland
...ist im Sommer und von daher recht mild oder warm. Hier wird nicht auf Schnee gehofft sondern, dass es nicht regnet und so wenige Wolken am Himmel sind wie es geht. Der Heilig Abend hat für die Neuseeländer keine große Bedeutung. Über Nacht kommt der Weihnachtsmann und bringt die Geschenke vorbei. Am 24ten wird abends ein Teller mit Möhren vor die Tür gestellt, dass die Rentiere was zu fressen haben, auf den Esstisch richtet man bisschen was zu Essen und zu Trinken für den Weihnachtsmann und seine Helfer an. Am 25ten morgens dürfen dann die Geschenke geöffnet werden. Traditionell gibt es am selben Tag Truthahn, BBQ, Picknick oder Lunch.
An sich ziemlich verschieden, wie man sehen kann, doch es gibt eine Sache, die beide Traditionen auf jeden Fall gemeinsam haben: Es ist ein Fest der Familie, das man zusammen mit seinen Nächsten verbringt. Das konnte ich dieses Jahr nur virtuell. Nachdem mich früh 6.30am der Wecker wach klingelte und ich mich noch 2, 3 mal hin und her gerollt hatte, ging ich ins Wohnzimmer, wo schon die Kinder total aufgeregt warteten, dass die Erwachsenen endlich aufstehen - vorher gibt's nämlich keine Geschenke. Nach einer reichlichen Bescherung war ich mit meiner Familie im Skype verabredet. Mama, Papa, Geschwister, Oma und Opa waren da - alle ganz nah vor mir und doch so fern. Es war ein schönes Bild alle zusammen zu sehen, ich genoss es in vollen Zügen. Jedoch war ich auch ein wenig geknickt, dass ich an der gewohnten Runde dieses Jahr nicht direkt teilhaben konnte. Das nächste Jahr wieder!
Wie habe ich nun Weihnachten 2013 verbracht? Ganz einfach - ich habe beide Traditionen ausgelebt. Kathie's Gastfamilie lud mich zu sich ein, mit ihnen Heilig Abend zu feiern. Es mag sicherlich jetzt die Frage aufkommen "Warum feiert ihre Familie Heilig Abend, wenn es überhaupt nicht typisch ist?" Der Grund dafür ist ihr Au Pair. Kathie hatte schon die Wochen davor fleißig vorbereitet und wollte ihrer Gastfamilie, vor allem den Kids, die deutsche Tradition näher bringen. Durch mich wurde der deutsche Anteil um rund 14,3% angehoben. Zuerst spielten wir die Weihnachtsgeschichte (auf Englisch) den Kids vor, danach gab's Afternoon Tea mit all den Leckereien, die in den vergangenen Wochen gebacken wurden. Darunter zählte auch unserer köstlicher Baumkuchen! Nach dem Kaffeetrinken ging es zur Bescherung über: Kathie gab ihr Geschenk an die Familie, sie bekam ihre Geschenke von der Familie. Für mich war von ihr auch was dabei: Ich bekam ein Müüüüüsli namens "Berry Berry Nice"! Ich liebe Müsli und es war eine kleine, süße Überraschung. Mir kann man eben auch mit kleinen Dingen eine Freude machen... Wie dem auch sei zerfetzte jeder sein Geschenkpapier, freute sich über seine neues Spielzeug und so weiter und so fort. Wir speisten gemeinsam zu Abendbrot. Es gab lecker Steak mit Pommes und Zwiebel-Pilz-Gemüse (Tradition aus Niedersachsen). Nachdem wir alle gesättigt waren, machte ich mich mit Kathie auf zum Strand nach Sumner, wo wir dann den restlichen Abend verbrachten. Wer meinen Blog bisher aufmerksam gelesen hat, dürfte Sumner noch aus meinem ersten Reisebericht kennen als ich über die Port Hills schrieb.
In einer gemütlichen Runde saßen wir zusammen am Lagerfeuer und genossen das schöne Wetter mit leckerem Bier vom...von der Flasche.
Schließe deine Augen und stelle dir vor es ist Weihnachten. Du sitzt mit deiner Familie zusammen am Esstisch, isst Rotkraut, Klöße und Gans, trinkst leckeren Rotwein, unterhältst dich über Gott und Welt, lächelst fröhlich in die Runde und genießt den Augenblick. Dann machst du die Augen auf und stehst am Strand, Füße eingegraben im weichen Sand. Es sind milde 20°C, die Sonne verschwindet langsam am Horizont, du hörst das Knistern des Lagerfeuers und das Rauschen der Wellen.
Es fühlte sich so unreell und falsch an in diesem Moment. Es fiel schwer zu glauben, dass Heilig Abend sei. Aber irgendwie.. war es dennoch schön. Mein erster Strandbesuch zu dieser Jahreszeit!
Zurückblickend kann ich sagen, dass es eine coole Erfahrung war und ich den Abend sehr genossen habe. Nach Wiederholung schreit es nicht unbedingt, dafür bin ich zu "deutsch". Strandabende sind immer schön aber nicht zwangsweise an Heilig Abend. Den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachten wir bei der Schwester meiner Gastmutter. Da ihr Mann ein Schlagzeug in seiner "Hobbygarage" hat, konnte ich seit Monaten mal wieder mich an eine Schießbude setzen und loshämmern, das tat richtig gut. Einer meiner Vorsätze für das neue Jahr ist auf jeden Fall mich wieder intensiver mit meiner Musik auseinanderzusetzen. Ist es eigentlich mittlerweile "out" sich über Vorsätze Gedanken zu machen? Ich persönlich habe mir darüber gar keine Platte gemacht, ich wurde nur von einer Freundin gefragt und bin damit leicht überrumpelt wurden. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was das nächste Jahr auf Lager hat aber erst mal freue ich mich riesig auf Silvester. Dazu mehr im nächsten Post. Ich hoffe, ihr hattet ein paar schöne, ruhige und besinnliche Feiertage. Rutscht mir gut ins neue Jahr!
- S.Rehm
